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Schlappi


Ein mit Hilfe von Pro Herdenschutzhunde e.V. erfolgreich vermittelter Herdenschutzhund

Wir danken an dieser Stelle allen unseren Mitgliedern und Helfern welche uns unterstützen und somit den Hunden eine bessere Zukunft ermöglichen.

       
  
Kangal Schlappi

... konnte nach umfangreichen Vorbereitungen seinen Platz im Tierheim verlassen und bei seiner neuen Familie einziehen.  Dort heißt der 11jährige Senior  nun "Papi" und verträgt sich gut mit der vorhandenen Hündin und umgekehrt. Auf dem recht großen Grundstück für ein Einfamilienhaus kann er nach Herzenslust stromern und seine geliebten Bäume zum Beinchen heben können ihm zu Hauf geboten werden. Tagsüber ist er ein aufgewecktes Kerlchen, dass seinem Alter entsprechend viel Ruhepausen braucht und das Bewachen überläßt er gern der jungen Hündin. Ab und zu muss er zwar auch mal schauen, aber er scheint froh zu sein, dass es nicht mehr seine Aufgabe ist. Mit den Katzen ist er sehr verträglich, wenn auch nicht alle Katzen mit ihm. Das regeln die Tiere aber unter sich. Und mit Kindern kommt er ebenfalls sehr gut zurecht, wie der 1 1/2 jährige Nachbar inzwischen bestätigen kann.
 

(21.10.2007) Schlappi's Frauchen schreibt ihre Erfahrungen nach einem Jahr Zusammenleben...
 Hallo Liebe Leute,
ich weiß nicht, ob es noch wirklich interessiert, aber ich dachte, ich schreibe euch einfach mal.
Der Rüde, den wir -auf eure Empfehlung hin - in hohem Alter im Oktober 2006 aus dem Tierheim Karlsruhe holten und der nun Papi heißt, ist jetzt schon ein Jahr bei uns. (Schon? Erst!)
Wir haben diesen Schritt niemals bereut. Nach anfänglichen leichten Schwierigkeiten, in denen er uns klar sagte, was er wollte, wir ihm klar sagten, was wir wollten und gemeinsam dann einen Mittelweg fanden, können wir uns gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne ihn war.
  
Er ist ein Kerl, der sich sofort in jedes menschliche Herz schleicht. Auf diversen Kangaltreffen ist er immer wieder ein begehrtes Fotomodell. Auf dem letzten Treffen haben wir dann gemerkt, dass diese Treffen doch nicht mehr so seine Welt sind und er lieber zuhause bleiben möchte. Er mag das Auto fahren nicht und die vielen fremden Hunde sind ihm auch zu stressig, meist sind es ja sowieso nur junge Schnösel, die dem alten Herrn gegenüber gern einmal in Pose gehen. Der aber läßt sich nicht im entferntesten davon beeindrucken.
Er liebt seinen gewohnten Tagesablauf. Morgens grundsätzlich das Grundstück inspizieren und den Zaun ablaufen. Gibt es vielleicht irgendwo eine neue Angriffsfläche? Zu Schade, leider nein. Ihr müßt nämlich wissen, dass es seine absolute Lieblingsbeschäftigung war, uns zu zeigen, dass Maschendraht nun überhaupt kein Hindernis für ihn ist. Regelmäßig zog er die Maschen auseinander und ging spazieren. Hauptstraße? Was heißt das schon? Unsere Nachbarn bauten an der Hauptstraße neu und die besuchte er eben. Oft wurde uns gesagt, wenn ihr euren Hund sucht, dann schaut mal da.... Besondere Freude machte er dem hinter uns wohnenden Fleischer, indem er seinen Abfallcontainer leerte. Unsere bis dahin brave Kangalhündin kam eines Tages voller Stolz, im Maul eine Schweineschwarte, die so gar nicht für sie bestimmt war! Hat sie von Papi gelernt. Unser sehr toleranter Nachbar berichtete mir, dass unser Papi mal eben das Butterbrot des kleinen (damals knapp 2jährigen Jungen) von deren Esstisch geklaut hat. Sie schimpften nicht, sondern brachten ihn lachend zurück. Mein Mann ist fast verzweifelt. Immer wieder wurde der Zaun repariert, den ganzen Sommer lang. Wir wollten das große Grundstück seinerzeit relativ preiswert einzäunen, aber preiswert ist meist doppelt so teuer. Nach dem mein Mann irgendwann die Lust am reparieren verlor, wurde das ganze Grundstück mit Stahlmatten gesichert. Ende, aus, vorbei. Papi kam nicht mehr ohne uns auf die Straße.
Nach der Inspektion gibt es erst einmal Frühstück. Wir haben das Futter auf Rohkost umgestellt und seither verschläft er statt 90% des Tages nur noch 50%. Er ist wieder richtig fit geworden und wenn er auch schlurft und schlurt, kann er doch ganz plötzlich noch sehr schnell werden. Spätestens, wenn der Rottweiler bei uns am Tor vorbeigeht, den kann er nun gar nicht leiden. Oder wenn unser Mädel eine bestimmte Tonart bei der Bewachung und Verteidigung anschlägt. Dann muss er schon mal schauen. Am schnellsten wird er jedoch, wenn es heißt: Wollen wir gehen? Dann ist er immer der erste am Tor!
Sonne und Wasser liebt er ebenso sehr wie seine Streicheleinheiten. Im Sommer war es ihm ein Genuss in unserem nahen See einfach nur im warmen Wasser zu liegen und seine etwas angeschlagenen alten Knochen anschließend in der Sonne zu wärmen. Wir gönnen ihm dieses kleine Vergnügen und warten gerne am Rand, bis er wieder Lust hat weiter zu laufen. (Kann schon mal so ein halbes Stündchen dauern.)
Mit einer unserer Katzen teilt er sich das Sofa. (Es gibt eines, auf dass er darf, bei den anderen probiert er es bis heute, ob wir ihn den darauf lassen oder wieder hinunter schicken.) Er hat eben seinen Dickkopf.
Ach ja, Dickkopf. Wenn er seinen Willen nicht bekommt, dann schmeißt er sich wie ein trotziges kleines Kind einfach hin, auch heute noch. Und das kann auch schon mal mitten auf der Straße sein. Wie bewege ich 50-60 Kilo? Anfangs habe ich ihn mit der Leine quer über den Asphalt gezogen, nach dem Motto, das macht der nie wieder! Pustekuchen, er macht es auch zum hundertsten mal wieder!. Gerade heute hat er sich in die Büsche geworfen, lang ausgestreckt. Ich dachte voller Schreck, oh je, was hat er denn, es wird doch nichts mit dem Herzen sein? Er bewegt sich nicht mehr! Nun, er bewegte sich wieder als ich Anstalten machte, in die von ihm gewünschte Richtung zu gehen. Aber mit drei Hunden an der Leine gibt man schon mal nach.
Ja, drei Hunde. Denn vor drei Wochen haben wir noch eine 21 Monate alte Kangalhündin aus dem Tierheim geholt. (Mein Mann ist gerade zur Kur, da gehe ich eben mit drei Hunden, außerhalb der Wochenenden ist bei uns fast nichts los im Naherholungsgebiet, da geht das dann schon mal.) Obwohl er seine Hündin abgöttisch liebte, hat er auch die neue schnell akzeptiert. Er ist der Chef im Haus (nach uns Zweibeinern) und so lange das von den Mädels eingehalten wird gibt es kein Problem.
Und zum Staunen bringt er mich auch jeden Tag aufs Neue. Wie gesagt, unsere fast gleichaltrigen Mädels bilden ja erst seit drei Wochen eine häusliche Gemeinschaft. bisher verlief auch alles super und sie spielten und tobten miteinander. Dennoch wartete ich voller Angst auf den ersten Ernstfall. Der trat dann auch ein. Es war kein Spiel, es war Zickenalarm und auch schon etwas mehr. Die beiden hatten sich richtig in der Wolle. Ich war nicht in der Lage, die beiden mal eben zu trennen, also rannte ich zum Wasserschlauch. Doch bevor ich ihn hab abrollen können, war Ruhe! Erstaunt sah ich mich um und glaubte nicht, was ich sah: Papi hatte unseren Neuzugang ins Genick gepackt und sie rührte sich nicht mehr!!
Er gab keinen Laut von sich, lag zuvor auf seinem Sofa! Unhörbar lief er zu ihr, packte sie ins Genick und hielt sie einfach fest. Balkiz stand stocksteif da, rührte sich nicht mehr und Dana (unser Mädel, seine Freundin) war so verdaddert, dass sie sich ebenfalls nicht mehr rührte. Einige Sekunden lang war einfach nur Schweigen und Bewegungslosigkeit. Dann ließ er sie los, kletterte auf sein geliebtes Sofa und schloß die Augen. War was?
Es gab keine weitere Beißerei mehr. (Es war wohl auch nicht ganz so ernst, denn keine von beiden war verletzt, glücklicherweise) Die beiden Mädels verstehen sich wieder prächtig.
Ja, das ist unser Papi. Ich könnte noch stundenlang von ihm erzählen. Schade, dass er drei Jahre auf uns im Tierheim warten mußte.  

                                       



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Letzte Änderung: 21. Okt 2007