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Therapie-Pyrenäenberghund

Pyrenäenberghund - ein Fels in der Brandung
 

 

 

 
 
 Weich, warm und ein wahrer Freund

(MP) Oberschwarzach. Könnten Hunde Sozialpädagogen werden - Olivia wäre wohl einer. Für das Erich-Kästner-Kinderdorf in Oberschwarzach (Lkr. Schweinfurt) ist die siebenjährige Hündin aber mehr als eine weitere pädagogische Kraft. Den Kindern mit seelischen Behinderungen ist sie Spielkamerad, Seelentröster und Familienmitglied in einem, den Therapeuten ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Arbeit.
 
Das Gezerre an der dicken blauen Leine bringt Olivia nicht aus der Ruhe. Vanessa, Maxi, Andreas und Paul (Namen von der Redaktion geändert) sausen auf Schlitten einen Berg hinunter. Mit Schwung kracht der kleine Paul vom Schlitten und krallt sich in Olivias weiches Fell. Ihre Reaktion: ein drolliger Blick wie immer.
 
Ein tierischer Fels in der Brandung

Nicht nur was ihr Gemüt angeht, ist die Pyrenäen-Berghündin ein Fels in der Brandung. 80 Zentimeter groß, 50 Kilogramm schwer - Wenn Olivia sich quer in die Tür stellt, dann hilft kein Zerren und Ziehen. Sie geht erst ins Haus, wenn alle Kinder wieder da sind. "Wir sind sozusagen ihre Herde, sie unser Hirte", sagt Gunda Fleischhauer, Leiterin des Erich-Kästner Kinderdorfs.
 
Für Neuankömmlinge ist Olli - so nennen sie die Kinder - der erste Halt nach einer qualvollen Odyssee. Sie wurden missbraucht, misshandelt, haben Entwicklungsstörungen oder Lernbehinderungen. "Menschen haben den Kindern das angetan. Deswegen ist es oft Olivia, zu der sie den ersten Kontakt hier aufbauen", sagt Fleischhauer. In der täglichen Arbeit mit den Kindern ist die Hündin eine Art Medium, ein Bindeglied zwischen den Therapeuten und den Kindern. Zu Olivia zu sprechen fällt ihnen leichter, durch Fühlen und Tasten ihres weichen Fells nehmen sich die Kinder auch selbst wieder wahr. Ein Mädchen, dass sich nachts nie alleine in ihr Zimmer traute, schläft wieder ruhig seit Olivia im Kinderdorf ist. Und nicht zuletzt lernen die Kinder Verantwortung zu übernehmen, wenn sie Olivia füttern und striegeln.
 
Ausgebildet wurde die Pyrenäen-Berghündin von Thomas Taubert, der in Schwebheim eine Hundeschule betreibt. Schon mit zwei Jahren hat Olivia sich an Kinder mit Behinderungen gewöhnt und auch daran, sich vom zweibeinigen Nachwuchs so ziemlich alles gefallen zu lassen. Schreien? In den Ohren bohren? Am Schwanz ziehen? Wieder nur ein drolliger Blick.
 
"Der Hund gibt den Kindern vor allem seelische Hilfe, im Alltag muss er dabei eine Menge aushalten", sagt Taubert, der auch Blindenführhunde und Behindertenbegleithunde ausbildet. Was Olivia einmalig macht, ist ihr Gespür. Geht es einem Kind wirklich schlecht,
ist sie immer in seiner Nähe. "Es ist die Mischung von Weichheit, Wärme und eigenem Willen, die den Kindern Vertrauen spendet und sie ermuntert, wieder am Leben teilzunehmen", sagt Gunda Fleischhauer.
 
 
Mit freundlicher Genehmigung
(c) Bianca Löbbert / mainpost.de
 
 



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Letzte Änderung: 5. Dec 2005