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Studie zum Schutzsystem ...

Studie zum Schutzsystem "Herdenschutzhund"

 

 

(Pro Natura) Seit 1995 wandern regelmässig Wölfe von Italien her in die Schweiz ein. Diese treffen im Sommer auf tausende frei weidende und nicht durch einen Hirten betreute Schafherden. Diese Situation macht Schafe und Wölfe gleichermassen zu Verlierern. Schafe werden von Wölfen gerissen und als Folge davon werden die Wölfe trotz des gesetzlichen Schutzes abgeschossen. Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass Schafhaltung in Wolfsgebieten möglich ist, wenn die Herden behirtet und durch Herdenschutzhunde überwacht werden. Ist eine solche Lösung auch in der Schweiz denkbar?
Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass punktuelle und zeitlich begrenzte Massnahmen das Problem nicht lösen, weil der Wolf auf andere Herden ausweichen kann. Bei 1145 Sömmerungsbetrieben in der Schweiz wäre ein flächendeckender Schutz wirtschaftlich extrem aufwändig. Wolf und Schafe sind in der Schweiz unvereinbar, weil die Topographie unserer Täler eine Behirtung der Herden verhindere, behaupten die Wolfsgegner. Umgekehrt erweist sich auch die Erteilung von Abschussbewilligungen als untaugliche Lösung, weil dadurch neue Schäden kaum verhindert werden können.

Pro Natura wollte prüfen, ob in der Schweiz nicht auch grössere behirtete Herden und damit ein kostengünstiges Schutzsystem möglich wären. Die von Patrick Waeber im Auftrag von Pro Natura realisierte Studie untersuchte nun die aktuelle Schafsömmerung in 6 Alpentälern in den Kantonen Bern, Wallis und Graubünden. Er berechnete den Aufwand, falls alle Herden behirtet würden. Danach ordnete er auf der aktuellen Alpfläche die Schafherden neu so an, dass im Gelände sinnvolle und grössere Nutzungseinheiten entstanden. Die Gebiete mussten die gleiche Anzahl Schafe beherbergen können. Für diese Art der Nutzung berechneter er neu die Zahl der Herden und die Kosten einer Behirtung. Die Ergebnisse sind eindrücklich. Heute weiden in den Untersuchungsgebieten 85 verschiedene Herden mit insgesamt 17500 Schafen. Nur auf 6 Weiden werden Hirten eingesetzt. Müsste man alle 85 Herden mit einem Hirten ausrüsten, würde dies rund 1.1 Millionen Franken kosten. Würden die Weiden anders angeordnet, könnte die Zahl der Herden bei gleicher Anzahl Schafe auf 36 reduziert werden. Die Kosten für die Behirtung würden sich um 60% verringern. 98% der Kosten für die Behirtung wären durch die Sömmerungsbeiträge für behirtete Herden gedeckt, wobei zwischen den Tälern sehr grosse Unterschiede bestehen.

Das Ergebnis zeigt: Es sind nicht die topographischen Verhältnisse, welche einen Schutz der Schafherden in der Schweiz unmöglich machen, sondern eher die bisher gewohnten Nutzungsstrukturen und Traditionen. Auch in unserem Land könnten Schafherden durch einen Hirten und Herdenschutzhunde wirksam geschützt werden. In einzelnen Talschaften wäre dies schon unter den heutigen finanziellen Rahmenbedingungen kostendeckend. Zwar wird die Weideführung von Schafherden mit einem Hirten immer in Zusammenhang mit dem Wolf als Lösungsvorschlag genannt. Diese Weideform hat aber auch weitere, mindestens gleichwertige Vorteile: Es gäbe weniger Ausfälle durch Krankheiten, Wetterumstürze oder Unfälle. Die Weiden könnten vor Erosion geschont werden. Das Futterangebot könnte besser genutzt werden. Die Vielfalt der Pflanzenarten bliebe auf den Alpweiden erhalten. Eine Beweidung von Weiden von Gämsen und Steinböcken durch Schafe könnte vermieden werden. Die Studie ist damit ein wichtiger Denkanstoss, wie die Probleme zwischen Wolf und Schafhaltung gelöst werden können.

Informationen zu Pro Natura
Pro Natura ist die Anwältin und Meinungsmacherin für Naturschutz in der Schweiz. Pro Natura ist ein Verein, in dem alle naturliebenden Menschen willkommen sind. Heute sind es rund 100000 Mitglieder, die eine gemeinsame Vision hegen: In einer Welt, in der die Natur zunehmend bedrängt und zerstört wird, nimmt Pro Natura engagiert Stellung für die Natur und die Menschen als Teil von ihr. Pro Naatura ist der Natur tief verbunden, versuchen sie zu verstehen und empfinden ihr gegenüber eine grosse Verantwortung. Für weitere Informationen klicken Sie hier: Pro Natura, Schweiz
 
 



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Letzte Änderung: 7. Sep 2010