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Pro Natura-Studie

Pro Natura-Studie zum Herdenschutz

 

 

 
(Pro HsH) In der Schweiz trägt sich derzeit die Diskussion um einen sinnvollen und effizienten Herdenschutz. Die Umweltorganisation "Pro Natura" hat im Juni 2003 mit ihrer Studie "Evaluation der Schafsömmerung im Hinblick auf die Rückkehr des Wolfes" die Frage aufgeworfen, ob in den schweizer Wolfsgebieten aufgrund der Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern die Schafhaltung möglich ist, wenn die Herden behirtet und durch Herdenschutzhunde überwacht werden. Pro Natura wollte nun über eine Studie prüfen, ob in der Schweiz nicht auch grössere, behirtete Herden und damit ein kostengünstiges Schutzsystem möglich wären.

 

Dazu wurde die Schafsömmerung in 6 Alpentälern in den Kantonen Bern, Wallis und Graubünden untersucht. Der Leiter des Studienprojekts, Patrick Waeber, berechnete den Aufwand aller zu behirtenden Herden. Durch eine Neuordnung der der Schafherden in Bezug auf die aktuell zur Verfügung stehende Alpfläche, entstanden grössere, und nach Meinung des Projektes auch sinnvollere Nutzungseinheiten. Waeber achtete dabei darauf, dass alle Gebiete die gleiche Anzahl Schafe beherbergen können. Für diese Neugestaltung der Nutzung berechnete er nun die neue Anzahl der Viehherden und daraus dann die entstehenden Kosten der Behirtung.

Das Ergebnis fasst Patrik Waeber wie folgt zusammen: "Heute weiden in den 6 Untersuchungsgebieten 85 verschiedene Herden mit insgesamt 17500 Schafen. Nur auf 6 Weiden werden Hirten eingesetzt. Müsste man alle 85 Herden mit einem Hirten ausrüsten, würde dies rund 1.1 Millionen Franken kosten. Würden die Weiden anders angeordnet, könnte die Zahl der Herden bei gleicher Anzahl Schafe auf 36 reduziert werden. Die Kosten für die Behirtung würden sich um 60% verringern. 98% der Kosten für die Behirtung wären durch die Sömmerungsbeiträge für behirtete Herden gedeckt."

Pro Natura folgert aus der Studie, dass bisher gewohnte Nutzungsstrukturen und Traditionen eine effektive Behirtung der Viehherden in den schweizer Alpen verhindert hat und auch in der Schweiz Schafherden durch einen Hirten und Herdenschutzhunde wirksam geschützt werden könnten.

Dem widerspricht Marco Giacometti, Koordinator des Interreg III A Projekts "Schaf- und Ziegensömmerung" aus der Schweiz mit der Feststellung "Behirtung ist nicht gleich Herdenschutz!". Giacometti führt dazu aus, dass der wirksame Herdenschutz drei Massnahmen beinhalte: neben der kontinuierlichen Anwesenheit von Hirten ist der Einsatz einer genügenden Anzahl ausgebildeter Herdenschutzhunde sowie eingezäunte Übernachtungsplätze für die Herde zwingend notwendig. Im Weiteren sei auch von Bedeutung, dass die Herdenschutzmassnahmen während der gesamten Weideperiode getroffen werden müssen, also nicht nur während der eigentlichen Sömmerung (die rund 100 Tage dauert). Für Schaf- und Ziegenherden die wirksam geschützt sein sollen, ist der Herdenschutz von Beginn der Vegetationsperiode an (also schon im Monat April) bis zur Einstallung der Tiere vor dem Winter (also bis Oktober-November) andauernd und kontinuierlich zu gewährleisten. Die abzudeckende Periode dauere also mithin bis zu 250 Tage. Der Beistand eines Hirten und eines Herdenschutzhundes werde dem Begriff "Herdenschutz" nicht gerecht.

Zwar erkennt Marco Giacometti auch, dass ein besserer Schutz der Schafherden durch Zusammenlegung derselben und die Veringerung der Schafherden möglich ist und dass die heutige Praxis der Schafsömmerung mancherorts effizienter gestaltet werden kann. Es treffe jedoch nicht zu, dass die Schafherden heute nicht behirtet seien. Soll die traditionelle Schafhaltung in den Berggebieten "weiterhin ohne unzumutbare Einschränkungen möglich sein" so bleibe zu prüfen, wie aufwendig und teuer der effiziente Herdenschutz im Alpenraum ist.

Dieser Frage wird derzeit im Kanton Wallis nachgegangen. Und auch in Graubünden wird an diesen Aspekten gearbeitet. Sie sind Gegenstand des Interreg III A Projekts "Schaf- und Ziegensömmerung", das soeben angelaufen ist.
 
 



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Letzte Änderung: 7. Sep 2010