Nur etwa 12.000 Geparde leben noch in freier Wildbahn, ca. 2500 davon in Namibia. Dies stellt somit die grösste geschlosene Population dar. Über 90% der in Nabia lebenden Geparde leben in Gebieten welche durch die Bevölkerung landwirtschaftlich genutzt werden. Sie teilen sich dabei das Land mit anderen Raubkatzen. Der rückläufige Anteil der Löwen und Leoparden in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten, die grosse Zahl von Beutetiere sowie ausreichend Wasser hat für die Geparden die Möglichkeit der dauerhaften Bleibe geschaffen. Unvermeidlich konzentrierten sich dadurch die Probleme auf die Geparde.
1980 wurde Namibia von einer starken Dürre heimgesucht. Überdurchschnittlich viele Beutetiere starbenunmittelbar durch die Dürre oder wurden durch die Bauern getötet weil sie deren Ackerfrucht angingen oder die letzten verbleibenden Wasserstellen aufsuchten. Durch diesen Umstand, den Verlust der natürlichen Nahrungsresourcen, waren die Geparde gezwungen das Vieh der Bauern zu reißen. Viele Landwirte sahen in den Geparden die Hauptdrohung für ihr Vieh. Grundsätzlich stehen Geparde in Namibia unter Artenschutz. Ausnahmsweise erlaubt ein Gesetz den Fang und den Abschuss der Geparde wenn diese in ein Konfliktverhältnis mit der Landbevökerung geraten, etwa durch Angriffe auf deren Viehherden. Dabei reicht die Vermutung um einen Gepardenangriff schon aus. Die Vorkommnisse dieser Zeit stempelten die Geparde zu "Problemtiere" und rief deren Gegner auf den Plan.
Das Ziel des
Cheetah Conservation Fund (CCF) Herdenschutzhundeprojekts ist, den Landwirten in Namibia zu helfen, neue Wege zu finden sowie aufzuzeigen, dass eine friedliche Co-Existenz zwischen Mensch und Tier möglich ist. Mit dem Wissen um die Eigenschaften des Anatolian Shepherd, des Kangals, und dessen Herkunft aus der trockenen, Anatolischen Hochgebirgsregion der Türkei und Asiens, entstanden erste Gedanken zum Herdenschutzhundeprogramm des Cheetah Conservation Fund.
Das Klima in Namibia wird ähnlich dem in der Türkei beschrieben: im Sommer wenig Regen bei zum Teil extremer Hitze und Kälte im Winter. Bei Verwendung der Herdenschutzhunde zur natürlichen Verdrängung der Geparde aus dem Umfeld der landwirtschaftlichen Bauernhöfe wird eine für diese Hunderasse typische, natürliche Eigenschaft genutzt: Die Hunde sind in der Lage, grosse Flächen mit vereinzeltem Viehbestand ohne die Anwesenheit der Menschen zu schützen. Über die Jahre wurde durch selektives züchten ein den wirtschaftlichen Ansprüchen der Bauern genügendes und durch die Hunde leicht zu kontrollierdendes Vieh gezüchtet. Durch das, für die Klimaverhältnisse in Namibia ideale, helle Deckhaar des Kangals, welches den Hund vor starker Sonneneinstrahlung und extreme Temperaturen schützt, bleibt der Hund im Herdenverbund oftmals unentdeckt oder kann zumindest nur schlecht ausgemacht werden. Durch ihre imposante Statur erzwingen sich die Kangals den Respekt ihrer Umwelt. Die ausgezeichneten Sinnesorgane und die starke Bindung der Hunde an ihre Herde, weisen diese in idealer Weise für die Arbeit als Territoriumswächter aus. Der Kangal ist von Natur aus eine harte und sehr genügsame Hunderasse und fühlt sich "seiner" Herde auf das äußerste verpflichtet. Daraus resultiert seine Verbundenheit zu "seiner" Viehherde und die Aufmerksamkeit gegenüber seiner Umwelt.
Vor Beginn des Projektes musste die ablehnende Haltung der einheimischen Landbevölkerung gegenüber der fremden Hunderasse abgebaut werden. Dabei kam glücklicherweise die Tatsache zur Hilfe, dass viele der Landwirte kleinere Hunde aus eigener Zucht zum Schutze ihrer Herden einsetzten. Der Einsatz der Kangals in Namibia stellte somit also die konsequente, praxisrelevante und der Landbevölkerung bekannte Fortsetzung zum Schutz der Viehherden dar. Dieser Argumentation folgten die namibischen Landwirte.
Durch die Hilfe des
Cheetah Conservation Fund (CCF) bei der Ausbildung der Hunde an der Herde und die frühzeitige Einbeziehung ausgewählter Landwirte in das Projekt und deren Ausbildung ist die Erfolgsquote deutlich gestiegen. Für die Organistoren des Projekts hängt der Fortgang ihrer Arbeit auch von den Erfolgen der Hunde im Verbund mit ihren Besitzern ab.
Um das Ziel des
Cheetah Conservation Fund (CCF) Herdenschutzhundeprojekts zur natürlichen Verdrängung der Geparde und dem effektiven Schutz der Viehherden zu erreichen, wird die kontinuierliche und frühzeitige Eingliederung junger Kangals in die Viehherden und deren Gewöhnung (Sozialisierung) an diese frühzeitig angestrebt. Dadurch wird die erforderliche Idendifikation mit dem Vieh erreicht. Nach vollständiger Gewöhnung der Hunde an die Herde, sollen diese ihre Schutz- und Wachfunktion ohne menschliche Einflüsse wahrnehmen. Dazu werden sie als Welpen im Alter zwischen 7-8 Wochen von der Mutter abgesetzt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt unmittelbar die Sozialisationsphase in der die Welpen an die Herde gewöhnt werden. In diesem Alter ist die Gewöhnung der Hunde an die Herde am unkritischten und verspricht viel Erfolg, zumal die jungen Hunde das Verhalten der Herde annehmen und sich deren Gewohnheiten anschließen.
Akribisch wird darauf geachtet die Abhängigkeit vom Menschen so gering wie möglich zu halten. Kontakte zu Menschen werden wann immer möglich vermieden da sonst die Prägung auf die Herde nicht in erforderlichem Umfang gelingen würde. Nur dort wo es notwendig ist wird eingegriffen. So zum Beisspiel wenn es darum geht die jungen Hunde vor den Gefahren der afrikanischen Savanne zu schützen. Schlangen, Raubtiere und verschiedene Krankheiten sind in den ersten Wochen die Feinde der Hunde. Deshalb müssen die Hirten täglich den Zustand der Hunde prüfen um Veränderungen des Gesundhietszustandes oder Verletzungen frühzeitig zu erkennen.
Ist der Herdenschutzhund nach ca. 2-3 Jahren ausgebildet und weitgehenst selbstständig, kann er seine Schutz- und Wachfunktion vollständig erfüllen. Mitunter gelingt es ihm allein durch seine imposante Erscheinung Raubtiere von der Herde fernzuhalten. Er hat dann gelernt mit der Herde zu leben und mit dem Vieh zu ziehen. Sprichwörtlich befindet er sich dann in stetiger Alarmbereitschaft um seiner Aufgabe gerecht werden zu können. Dabei ist zu bemerken, dass die Hunde nicht zur Jagd ausgebildet werden und auch nicht dazu dienen befohlene oder antrainierte Angriffe zu führen. Seine Aufgabe ist es primär zu bellen, auf sich aufmerksam zu machen, die Hirten zu alamieren um so die Herde vor anderen Fleischfressern zu schützen. Nur selten ist der Kangal gezwungen die Herde durch körperlichem Einsatz zu verteidigen. Geparde und andere Raubtiere vermeiden Konflike mit den Hunden und sind schnell genug sich aus der Gefahrenzone zurück zuziehen.
Die durch den
Cheetah Conservation Fund (CCF) eingesetzten Kangals sind alle auf dem der Organisation gehörenden Bauernhof geboren. Zu diesem Zweck wird extra ein Zuchtbuch geführt um die Geschichte eines jeden Hundes und desens Arbeit an der Herde genau zu dokumentieren. Zu Beginn des Projektes wurden zehn Kangals aus den USA nach Namibia verbracht. Dabei stand der anerkannte Herdenschutzhundefachmann Dr. Ray Coppinger als Berater maßgeblich zur Seite. Mittlerweile sind aus den Verbindungen unter diesen Kangals viele Welpen hervorgegangen und erfolgreich mit der Arbeit an der Herde vertraut gemacht worden. Zur Zeit sind mehr als 80 Herdenschutzhunde aus dem Zuchtprogramm in den Viehherden auf verschiedenen Bauernhöfen Namibias eingesetzt. "Boots" eine der ersten Hündinnen im Programm, genießt ihren Ruhestand jetzt auf dem Bauernhof des CCF. Zwei weitere Hunde, Caesar und Zanta, arbeiten direkt an der Ziegenherde des CCF Bauernhofes die sich ständig in der näheren Umgebung aufhält. Auch sie sind in das Zuchtprogramm des CCF miteinbezogen. "Koya", eine Hündin, hat die Aufgabe des ständigen Begleiters von "Chewbakka", einem zahmen Geparden auf dem CCF Bauernhof, übernommen.
Die Zucht, die Haltung und Ausbildung der Hunde kostet die Organistaion ca. $40.000 im Jahr. Das kostenintensivste Program des CCF wird u.a. durch zahlreiche Spenden finanziert. Wenn Sie das Programm zum Schutz und Erhalt der Geparde in Namibia unterstützen wollen, können Sie
über diesen Link direkt auf die Homepage der Cheetah.org gelangen.