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Herdenschutzhunde werden sehr oft in behirteten Regionen benutzt, (Sömmerung in den Bergen, Überwinterung im Tal) wo der Alpauftrieb einen traditionellen Charakter hat. Die Nutzung des Milchschafes erlaubt es, die Hunde mit Molke zu füttern, welche bei der Käseherstellung entsteht und welche reich an Proteinen ist (Breber 1977). Mit der Ausrottung des Wolfes ist der Herdenschutzhund in zahlreichen Regionen überflüssig geworden und verschwunden. Heute wird er vor allem dort genutzt, wo es noch Wölfe gibt. Leider verschwindet diese Tradition aber selbst in diesen Gebieten. Der Hund wird dort oftmals durch Gift oder das Gewehr ersetzt, oder er wird dann in einer nicht angebrachten Weise eingesetzt (angekettete Hunde).
Aufgrund der Modernisierung in der Alpwirtschaft wollen viele Hirten nicht mehr die ganze Zeit in den Bergen verbringen. Die schwierigen Lebensbedingungen und die Einsamkeit führen oft dazu, dass die Hirten ihre Tiere zeitweilig verlassen, um einige Zeit in der Zivilisation zu verbringen (F.P. Fonseca & C.Julot pers.Mitt.). Manchmal stellen die Besitzer unfähige Hirten an, oder die Kinder der Hirten überwachen die Herden. Der Mangel an Erfahrung führt oft zum Verlust an Tieren.
Spanien Hunde werden hier vor allem im Nordwesten (Castille y Leon, Galicie, Navarre) und im kantabrischen Gebirge eingesetzt. Mehrere Hunde (3-8) begleiten den Hirten der während des Sommers mit den Schafen verweilt. Die Schafe werden in der Nacht zu Herden zusammengetrieben. Oftmals werden die Tiere auch mit den Hunden alleine gelassen. Im Winter werden die Tiere jeden Abend in den Stall geführt. In den kantabrischen Bergen begleiten Herdenschutzhunde oftmals Kuhherden (20 - 30 Stück) während eines Grossteils des Sommers ganz allein. Die Hunde werden von automatischen Futterverteilern gefüttert, welche die Hirten einmal wöchentlich auffüllen.
Frankreich In Frankreich gibt es noch einige Züchter, welche die Schafe in der traditionellen Weise mit dem „Patou des Pyrénées“ gegen wildernde Hunde und Bären verteidigen. Es gibt zur Zeit Projekte die traditionelle Schafwirtschaft wieder einzuführen. Verschiedene Quellen geben an, dass in Frankreich jährlich bis zu 100‘000 Nutztiere von verwilderten Hunden gerissen werden (Pitt 1988). 1985 hat das ITOVIC (Institut technique de l’élevage ovin et caprin) und die regionale Föderation der Schafe in den Rhône – Alpen ein Programm mit dem Namen „ chien de protection“ (= Herdenschutzhund) ins Leben gerufen, damit die Züchter die Schafe besser schützen können. Ein Hund reicht in der Regel aus, um eine Viehherde zu schützen. 1989 haben sich die Züchter, welche Herdenschutzhunde benutzen, zu einem Verein zusammengefunden: „l’association pour la promotion des animaux de protection.“ Seit 1994 werden Herdenschutzhunde auch im Mercantour zum Schutz vor Wölfen eingesetzt.
Italien Hier ist die Schafwirtschaft mehrheitlich auf die Käseproduktion ausgerichtet. Die Schafe werden meist am Morgen gemolken und dann in Begleitung von mehreren Herdenschutzhunden (5-15) auf die Weiden getrieben. Die Hunde formen ein Rudel, in dem jedes Tier eine genaue Funktion hat. Am Abend werden die Schafe zum Stall zurückgeführt, um sie ein zweites mal zu melken. Einige Hunde verweilen im Stall, während andere den Hirten begleiten (Coppinger et al. 1983, Landry pers. Beob.). Am Abend, wenn die Schafe alle vereint sind, können die Hunde die Herde verlassen und gemeinsam umherstrolchen. Diese Hunde können dann bei benachbarten Herden grossen Schaden anrichten. Die Hirten benutzen viele verschiedene Hunderassen und sogar Bastarde, um die Herden zu schützen. Die Abruzzen- oder Maremme - Schäfer sind oftmals nur sehr schlecht sozialisiert. Dies führt dazu, dass es in diesen Regionen immer wieder zu grossen Schäden in Schafherden kommt (V. Guberti pers. Mitt.). Coppinger et al. (1983) haben beobachtet, dass in gewissen Regionen (Monti della Laga) Mutterschafe in den bewaldeten Gebieten ganz ohne Hirten und nur unter der Aufsicht von Herdenschutzhunden weiden. In diesem Gebiet werden die Schafe jeden Abend zum Stall geführt. In Norditalien sind Fleischschafe häufiger als Milchschafe, da erstere weniger Aufmerksamkeit benötigen. In diesen Gebieten haben die Hirten mehr und mehr die Tendenz, die Schafe alleine auf der Alp zu belassen. Der Bergamo - Schäferhund wurde hier traditionellerweise zum Schutz des Viehs eingesetzt, aber es scheint, als ob der Einsatz dieser Rasse immer seltener wird. Diese Rasse wurde auch im Graubünden zum Schutz der Schafe vor Wildtieren eingesetzt (Tschudi 1859).
Polen Die Schafe (bis zu 500 pro Herde) werden Ende April auf die Alp geführt und verbleiben dort bis Ende September. Während dieser Zeit werden sie vom Hirten und von Herdenschutzhunden bewacht. Jeden Abend werden die Schafe in ein transportierbares Gehege (Flexinet) zusammengetrieben (Bloch 1994).
Slowakei Die Schafe (Milchschafe) und die Ziegen, welche auf die Alp geführt werden, gehören meist mehreren Besitzern (50 oder mehr) oder einer Kooperation und nur in Einzelfällen einer einzigen Person. Die Besitzer stellen oftmals mehrere Hirten an, welche die Schafe bis zu drei mal am Tag melken. Die Schafherden umfassen dann jeweils zwischen 250 und 400 Tieren. Die Hunde bleiben meist angekettet in der Nähe der Herden. Die Hirten sind überzeugt, dass die Hunde dadurch aggressiver werden und so die Raubtiere effizienter vertreiben. Wenn der Hund aber die ganze Zeit angekettet ist, kann er seiner Arbeit nicht in angemessener Weise nachkommen (Coppinger & Coppinger 1994).
Rumänien Während des Sommers werden die Schafe (Milch- und Fleischschafe) auf der Alp gehalten und von Hirten und Hunden bewacht. Die Zahl der Hunde schwankt zwischen 5 und 12, je nach der Grösse der Schafherde (100 bis 500 Tiere). Die Schafe werden das ganze Jahr hindurch bewacht und am Abend stets zum Stall geführt. Die Hunde sind meist nicht gut mit den Schafen sozialisiert worden, verteidigen aber ein Territorium. Die Hunde in Rumänien jagen angeblich Wildtiere (C. Promberger pers. Mitt.).
Bosnien Die Schafe verbringen den Sommer auf der Alp und werden von Hirten und Hunden bewacht. Die Schafe werden jeden Abend zum Melken zurückgeführt. Die Schafsmilch wird in erster Linie zu Käse verarbeitet. Die Hirten sollen auch stets Schweine und Hühner mit sich führen (A. Prêtre pers. Mitt.). Charplaninna – Massiv (zwischen den Grenzen von Mazedonien, Kosovo und Albanien) Hier werden die Hunde eingesetzt, um Schafe und Kühe vor Raubtieren zu schützen oder um die Einwohner vor Landräubern zu verteidigen. Traditionsgemäss werden den Hunden Eisenhalsbänder mit langen Stacheln angezogen, zudem wird der Nierenbereich mit Leder vor Raubtieren geschützt (Grignon 1992). Die Schafe verbringen den Sommer auf der Alp. Die Herde (Milchschafe) wird jedes Mal von mindestens einem Hirten begleitet. Am Abend schlafen die Hunde mitten in der Schafherde (Laurans 1975).
Bulgarien Die Schafe werden zur Sömmerung auf die Alp gebracht, doch die Haltung von Herdenschutzhunden ist heute nicht mehr üblich. Die Hirten, die diese Tradition noch pflegen, halten jeweils zwei bis fünf Hunde pro Herde. Die Schafe werden jeden Abend zusammengeführt. Die Hunde bewachen darauf die Herde gegen Raubtiere und Schafdiebe (K. Georgiev pers. Mitt.).
Georgien (Kaukasus) Die Schafe werden während des Sommers auf die Alp geführt. Eine Schafherde von 2000 Tieren wurde beobachtet. Sie wurde jeden Morgen in vier Gruppen von etwa 500 Tieren geteilt. Jede Gruppe wurde einem Hirten mit einem bis zwei Hunden zugeteilt. Am Abend fanden sich die verschiedenen Gruppen in einem Basislager zusammen. Dort wurden die Schafe gemolken und verbrachten die Nacht. Die Hunde wurden darauf losgelassen; sie bildeten Banden, strolchten umher und gingen jagen.
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